Pflanzliche Heilmittel
Maca, Ginseng, Tribulus: Was die Studien wirklich zeigen
Maca, Ginseng und Tribulus werden für Potenz und Testosteron beworben. Die Studienlage nüchtern eingeordnet: Was belegt ist und was reine Werbung bleibt.

Maca, Ginseng und Tribulus terrestris gehören zu den meistbeworbenen pflanzlichen Stoffen rund um Potenz, Libido und Testosteron. In der Werbung klingen sie oft wie sanfte, natürliche Alternativen zu Medikamenten. Doch was sagen kontrollierte Studien wirklich? Dieser Beitrag ordnet die Datenlage zu allen drei Pflanzenstoffen nüchtern ein, ohne Verkaufsinteresse und ohne übertriebene Versprechen. Er bewertet dabei keine einzelnen Produkte, sondern schaut auf die Wirkstoffe selbst.
Warum gerade diese drei?
Kaum ein Regal für Männergesundheit kommt ohne Maca, Ginseng oder Tribulus aus. Das liegt weniger an einer überzeugenden Studienlage als am Marketing. Alle drei werden mit Schlagworten wie Vitalität, Manneskraft und Testosteron beworben. Häufig tauchen sie auch in Kombipräparaten mit Zink, Vitaminen oder weiteren Pflanzen auf, was eine gezielte Bewertung der Einzelwirkung zusätzlich erschwert. Ein beworbener Effekt lässt sich dann keinem einzelnen Bestandteil sicher zuordnen. Genau deshalb lohnt ein sachlicher Blick auf das, was tatsächlich untersucht wurde. Wichtig vorab: Ein zugelassener gesundheitsbezogener Wirk-Claim existiert in der EU für keinen der drei Stoffe. Die entsprechenden Pflanzenangaben stehen seit 2012 auf einer Warteliste und wurden von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit nie positiv bewertet.
Maca: Hinweise auf mehr Verlangen, dünne Datenbasis
Maca (Lepidium meyenii) ist eine Knolle aus den Anden, die in verschiedenen Farbvarianten vermarktet wird. Die beste Zusammenfassung der Wirkung liefert ein systematischer Review, der vier randomisierte, placebokontrollierte Studien auswertete. Das Ergebnis ist zurückhaltend: Eine Studie an gesunden Männern zeigte nach 8 und 12 Wochen eine Verbesserung des sexuellen Verlangens, eine weitere an Radsportlern fand keinen Effekt, und eine Studie bei leichter erektiler Dysfunktion ergab positive Hinweise.
Die Autoren formulieren ihr Fazit vorsichtig: Es gebe nur begrenzte Belege für eine Wirksamkeit von Maca bei der sexuellen Funktion, und die geringe Zahl der Studien, die kleinen Stichproben und die durchschnittliche methodische Qualität ließen keine sicheren Schlüsse zu. Wichtig ist außerdem die Trennung: Die Hinweise betreffen das subjektive Verlangen, nicht einen belegten Anstieg des Testosteronspiegels beim Mann. Maca gilt also eher als möglicher Libido-Faktor denn als Hormonmittel. Ein oft genannter Pluspunkt ist, dass die Knolle traditionell als Lebensmittel verzehrt wird und in üblichen Mengen als gut verträglich gilt. Wirksam ist sie deshalb aber nicht automatisch. Wie sehr das Verlangen von vielen Faktoren abhängt, zeigt der Beitrag zur Libido ab 40.
Ginseng: bestenfalls ein kleiner Effekt
Panax Ginseng wird als Adaptogen beworben, also als Stoff, der dem Körper bei Stress und Erschöpfung helfen soll. Der Begriff Adaptogen ist allerdings kein streng definierter Wirknachweis, sondern eher ein Sammelbegriff aus der Pflanzenheilkunde. Zur erektilen Funktion liefert eine Cochrane-Übersichtsarbeit die belastbarste Auswertung. Sie fasste neun Studien mit insgesamt 587 Teilnehmern zusammen. In den eingeschlossenen Studien wurde meist rotes Ginseng in Dosierungen im Bereich von etwa 600 bis 1000 Milligramm dreimal täglich über einige Wochen gegeben.
Für die erektile Funktion, gemessen mit einem etablierten Fragebogen, ergab sich ein mittlerer Unterschied von 3,52 Punkten gegenüber Placebo (95-Prozent-Konfidenzintervall 1,79 bis 5,25), basierend auf drei Studien mit niedriger Vertrauenswürdigkeit der Evidenz. Die Autoren stufen diesen Effekt als geringfügig ein, denn er liegt unter der Schwelle von 4 Punkten, ab der eine Veränderung als klinisch bedeutsam gilt. Ihr Fazit: Auf Basis überwiegend niedriger Evidenz habe Ginseng möglicherweise nur triviale Effekte auf die Erektionsfähigkeit. Adaptogene wirken, wenn überhaupt, eher indirekt über Energie und Stresserleben. Für eine gezielte Wirkung auf den Testosteronspiegel gibt es auch bei Ginseng keinen überzeugenden Beleg. Hinzu kommt, dass Ginseng-Präparate stark in Qualität und Wirkstoffgehalt schwanken, was den Vergleich von Studien erschwert.
Tribulus terrestris: viel Marketing, wenig Beleg
Tribulus terrestris ist der Stoff mit der größten Lücke zwischen Werbung und Evidenz. Beworben wird er vor allem mit sogenannten Saponinen, die den Testosteronspiegel anheben sollen. Ein systematischer Review aus dem Jahr 2025 wertete zehn Studien aus. Die untersuchten Dosierungen lagen in den Erektionsstudien meist bei 400 bis 750 Milligramm pro Tag über ein bis drei Monate.
Das Ergebnis für den Hormonhaushalt ist eindeutig: 80 Prozent der Studien fanden keine signifikante Veränderung des Androgenprofils nach der Einnahme. Nur zwei Studien zeigten einen kleinen Anstieg des Gesamttestosterons von rund 60 bis 70 Nanogramm pro Deziliter, und das ausschließlich bei Männern mit ohnehin niedrigen Ausgangswerten. Bei der erektilen Funktion verbesserten sich 3 von 5 Studien, allerdings auf niedrigem Evidenzniveau. Das Gesamturteil der Autoren ist nüchtern: Tribulus habe nur eine niedrige Evidenz für eine Verbesserung der Erektionsfähigkeit, und für eine Steigerung des Testosteronspiegels gebe es keinen belastbaren Beleg. Trotz des massiven Marketings lässt sich der oft behauptete Testosteron-Effekt in kontrollierten Studien also nicht bestätigen. Die kleinen Anstiege bei ohnehin niedrigen Werten sind zudem klinisch kaum bedeutsam und lassen sich nicht auf gesunde Männer mit normalen Werten übertragen. Wer Tribulus als Testosteron-Booster kauft, zahlt also vor allem für ein Versprechen.
Was „natürlich“ nicht bedeutet
Ein pflanzlicher Ursprung wird gern mit Sicherheit und Wirksamkeit gleichgesetzt. Beides folgt daraus aber nicht. Natürlich heißt nicht automatisch wirksam, wie die dünne Studienlage zeigt. Und natürlich heißt auch nicht automatisch harmlos: Pflanzenstoffe können Nebenwirkungen haben und mit Medikamenten wechselwirken. Wer ein Präparat erwägt, sollte den Begriff natürlich deshalb nicht als Qualitätssiegel verstehen. Entscheidend ist die Studienlage, nicht die Herkunft eines Stoffs.
Wie man Studien zu Pflanzenstoffen liest
Gerade bei Libido und Potenz ist der Placebo-Effekt groß. Allein die Erwartung, etwas Wirksames einzunehmen, verbessert in Studien häufig die subjektiven Werte. Deshalb sind placebokontrollierte Vergleiche so wichtig. Zwei weitere Punkte lohnen einen kritischen Blick: Kleine Teilnehmerzahlen führen leicht zu Zufallsergebnissen, und positive Studien werden häufiger veröffentlicht als solche ohne Effekt. Ein einzelnes gutes Resultat in einer Werbung sagt also wenig. Aussagekräftig ist erst das Gesamtbild aus mehreren, unabhängig durchgeführten Studien, so wie es systematische Übersichtsarbeiten zusammentragen.
Das gemeinsame Muster
Über alle drei Stoffe hinweg zeigt sich ein ähnliches Bild: kleine Studien, oft mit Herstellerbeteiligung, uneinheitliche Extrakte und Dosierungen sowie kurze Beobachtungszeiträume. Das erschwert klare Aussagen und erklärt, warum Ergebnisse zwischen Studien schwanken. Ein einzelnes positives Resultat macht noch keinen Wirknachweis. Deshalb ist bei blumigen Erfolgsversprechen grundsätzlich Vorsicht angebracht, besonders wenn sie mit einem konkreten Kaufangebot verbunden sind. Seriöse Anbieter nennen die Grenzen der Datenlage offen; wo mit Superlativen und Vorher-nachher-Bildern geworben wird, ist Skepsis angebracht.
Sicherheit und Qualität
Ein weiterer Punkt betrifft die Produktqualität. Bei pflanzlichen Präparaten schwankt der Gehalt an Inhaltsstoffen erheblich, und gerade bei sehr günstigen Angeboten sind Verunreinigungen oder nicht deklarierte Zusätze ein bekanntes Problem. In Einzelfällen wurden in solchen Produkten sogar nicht angegebene pharmazeutische Wirkstoffe gefunden. Wer ein Präparat ausprobiert, sollte deshalb auf geprüfte Qualität achten und im Zweifel ärztlichen Rat einholen, besonders bei bestehenden Erkrankungen oder bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten. Sinnvoll sind Produkte mit klarer Angabe von Pflanzenart, Extrakt und Menge sowie unabhängige Qualitätsprüfungen. Fehlen solche Angaben, lässt sich weder Wirkung noch Sicherheit einschätzen. Weitere Wirkstoffe im Überblick finden Sie in der Kategorie Medikamente & Nahrungsergänzung.
Fazit
Maca, Ginseng und Tribulus sind pflanzliche Klassiker der Männerwerbung, doch die Studienlage bleibt dünn und uneinheitlich. Am ehesten gibt es schwache Hinweise auf ein stärkeres subjektives Verlangen bei Maca und einen geringfügigen Effekt bei Ginseng, der klinisch aber kaum ins Gewicht fällt. Bei Tribulus überwiegt die Lücke zwischen Werbung und Beleg. Ein belegter Testosteron-Anstieg fehlt für alle drei. Wer etwas ausprobieren will, sollte realistische Erwartungen haben und anhaltende Beschwerden ärztlich abklären lassen.
Welche Präparate in Vergleichstests abschneiden, ist Sache eines eigenen Potenzmittel-Vergleichs; dieser Beitrag bewertet bewusst keine Produkte. Wenn die Lust nachlässt, lohnt oft zuerst ein Blick auf die häufigsten Lust-Bremsen im Lebensstil. Vertiefend passt der Beitrag zu L-Arginin und Durchblutung sowie die Übersicht: Männergesundheit ab 40.
Quellen
- Lee HW et al. – Ginseng for erectile dysfunction (Cochrane Systematic Review, publiziert im World Journal of Men's Health). wjmh.org/DOIx.php?id=10.5534%2Fwjmh.210071
- Shin BC et al. – Maca (L. meyenii) for improving sexual function: a systematic review, BMC Complement Altern Med 2010. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC2928177/
- Systematischer Review 2025 – Effects of Tribulus terrestris Supplementation on Erectile Dysfunction and Testosterone Levels in Men, Nutrients. pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11990417/
- EU-Register nährwert- und gesundheitsbezogener Angaben, VO (EU) Nr. 432/2012 (Pflanzenangaben „on hold“, kein zugelassener Wirk-Claim). food.ec.europa.eu/food-safety/labelling-and-nutrition/nutrition-and-health-claims/eu-register-health-claims_en
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