ErkrankungenICD-10: E73Leicht

    Laktoseintoleranz

    Bei einer Laktoseintoleranz kann der Körper Milchzucker (Laktose) nur in begrenzter Menge verdauen, was zu Bauchbeschwerden führt. Sie ist keine Allergie, sondern beruht auf einem Mangel des Enzyms Laktase.

    Laktoseintoleranz

    Was ist eine Laktoseintoleranz?

    Bei einer Laktoseintoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit) kann der Darm den Milchzucker Laktose nicht oder nur unvollständig verdauen. Anders als bei einer Milchallergie vertragen Betroffene meist eine bestimmte Menge Laktose ohne Beschwerden – erst wenn diese Menge überschritten wird, treten Symptome auf.

    Wie häufig ist sie?

    In Europa vertragen etwa 5 bis 15 von 100 Menschen keinen Milchzucker, wobei Nordeuropa die niedrigsten Werte zeigt. In Afrika und Ostasien sind dagegen 65 bis über 90 von 100 Erwachsenen betroffen. Bei Kindern unter fünf Jahren ist eine Laktoseintoleranz selten.

    Wie entsteht sie?

    Das Enzym Laktase spaltet Milchzucker im Dünndarm auf. Im Säuglingsalter wird es in großer Menge gebildet, nach dem Abstillen nimmt die Laktase-Produktion bei den meisten Menschen natürlicherweise ab. Reicht die verbleibende Laktase nicht mehr aus, gelangt unverdauter Milchzucker in den Dickdarm. Dort wird er von Darmbakterien vergoren, wodurch Gase wie Kohlendioxid und Wasserstoff sowie weitere Abbauprodukte entstehen – das verursacht die typischen Beschwerden. Man unterscheidet die angeborene (primäre) Form, bei der die Laktase-Produktion genetisch bedingt nachlässt, von der sekundären Form, die durch eine andere Erkrankung der Darmschleimhaut wie Morbus Crohn ausgelöst wird.

    Symptome

    • Blähungen und Völlegefühl
    • Bauchschmerzen im Unterbauch
    • Durchfall
    • Übelkeit, gelegentlich Erbrechen
    • gelegentlich Verstopfung
    • Beschwerden meist frühestens eine halbe Stunde nach dem Verzehr, stärkste Ausprägung nach etwa 1,5 bis 2 Stunden

    Ursachen

    • Primäre (angeborene) Laktoseintoleranz: natürlicher, genetisch bedingter Rückgang der Laktase-Produktion nach dem Abstillen
    • Sekundäre (erworbene) Laktoseintoleranz durch andere Erkrankungen der Darmschleimhaut, zum Beispiel Morbus Crohn
    • Vorübergehende Schädigung der Darmschleimhaut, etwa nach einer Darminfektion

    Risikofaktoren

    • Herkunft aus Regionen mit hoher Verbreitung, etwa Afrika oder Ostasien
    • Bestehende Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, die eine sekundäre Laktoseintoleranz begünstigen können
    • Höheres Alter, da die Laktase-Produktion nach dem Abstillen graduell abnimmt

    Diagnose

    Ein Auslass- und Belastungsversuch prüft, ob Beschwerden nach Verzicht auf Milchprodukte verschwinden und nach kontrollierter Laktose-Zufuhr wieder auftreten. Der in Deutschland übliche H2-Atemtest misst den Wasserstoffgehalt der Ausatemluft nach dem Trinken einer Laktoselösung. Ergänzend kann ein Laktose-Toleranztest den Blutzuckeranstieg nach Laktose-Gabe messen. Eine Laktoseintoleranz gilt erst dann als bestätigt, wenn während eines Tests tatsächlich die typischen Beschwerden auftreten.

    Behandlung

    • Laktosearme oder laktosefreie Ernährung als wichtigste Maßnahme
    • Individuelle Verträglichkeitsgrenze austesten, statt Milchprodukte komplett zu meiden
    • Laktose nur in begrenzter Menge und möglichst zusammen mit anderen Lebensmitteln zu sich nehmen (verträglich sind meist bis zu 12 Gramm Laktose auf einmal, etwa in 250 ml Milch, beziehungsweise bis zu 24 Gramm über den Tag verteilt)
    • Bei sekundärer Laktoseintoleranz: Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung, wodurch sich die Beschwerden oft zurückbilden
    • Laktase-Präparate: Ihre Wirksamkeit ist nicht klar belegt

    Wann zum Arzt?

    Bei Verdacht auf eine Laktoseintoleranz sollte zunächst die Hausarztpraxis aufgesucht werden; für die eigentliche Diagnostik erfolgt meist eine Überweisung in eine gastroenterologische Praxis. Eine ärztliche Abklärung ist wichtig, bevor die Ernährung eigenständig und dauerhaft eingeschränkt wird – besonders bei Kindern und Jugendlichen mit hohem Kalziumbedarf sollte eine Diätumstellung ärztlich begleitet werden.

    Quellen

    1. 1Bundesministerium für Gesundheit / IQWiG: Laktoseintoleranz: Symptome und Therapie, gesund.bund.de. gesund.bund.de/laktoseintoleranz
    2. 2IQWiG: Laktoseintoleranz (Milchzucker-Unverträglichkeit), gesundheitsinformation.de. www.gesundheitsinformation.de/laktoseintoleranz.html
    3. 3BfArM: ICD-10-GM, Code E73 – Laktoseintoleranz.

    Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.