Candesartan
Wirkstoff: Candesartan (als Candesartancilexetil)
Candesartan ist ein AT1-Rezeptor-Antagonist (Sartan). Als Prodrug Candesartancilexetil aufgenommen, blockiert der Wirkstoff den AT1-Rezeptor und hebt die gefäßverengende Wirkung von Angiotensin II auf. Eingesetzt bei Bluthochdruck sowie als Zusatztherapie bei Herzinsuffizienz mit eingeschränkter Pumpfunktion.
Wichtige Warnhinweise
- ✕Duale Blockade des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS) durch gleichzeitige Gabe von ACE-Hemmern, AT1-Blockern oder Aliskiren wird wegen erhöhtem Risiko für Hypotonie, Hyperkaliämie und Niereninsuffizienz nicht empfohlen
- ✕Bei Patienten unter Candesartan wurden intestinale Angioödeme (Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall) berichtet, die nach Absetzen abklingen
- ✕Bei eingeschränkter Nierenfunktion regelmäßige Kontrolle von Serumkalium und -kreatinin, insbesondere bei Patienten ≥ 75 Jahre und bei Herzinsuffizienz
- ✕Bei Hämodialyse-Patienten kann der Blutdruck besonders empfindlich auf die AT1-Blockade reagieren – vorsichtige Titration
- ✕Bei primärem Hyperaldosteronismus wird die Anwendung nicht empfohlen, da diese Patienten in der Regel nicht auf blutdrucksenkende Mittel ansprechen, die über eine RAAS-Hemmung wirken
- ✕Vorsicht bei hämodynamisch relevanter Aorten- oder Mitralklappenstenose bzw. obstruktiver hypertropher Kardiomyopathie
- ✕Regelmäßige Kaliumkontrolle bei Kombination mit kaliumsparenden Diuretika oder Kaliumpräparaten
- ✕Enthält Lactose – nicht geeignet bei hereditärer Galaktose-Intoleranz, Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption
- ✕Alkoholkonsum kann das Risiko für Schwindel und Synkopen erhöhen
Anwendungsgebiete & Nutzen
Wofür dieses Medikament häufig eingesetzt wird
- Bluthochdruck (primäre Hypertonie) bei Erwachsenen
- Hypertonie bei Kindern und Jugendlichen von 6 bis unter 18 Jahren
- Herzinsuffizienz mit eingeschränkter linksventrikulärer Funktion (Ejektionsfraktion ≤ 40 %), wenn ACE-Hemmer nicht vertragen werden oder als Zusatztherapie zu ACE-Hemmern
Dosierung & Anwendung
Typische Dosierung
Erwachsene (nach ärztlicher Verordnung): Bei Bluthochdruck Beginn und übliche Erhaltungsdosis 8 mg einmal täglich; bei unzureichender Blutdrucksenkung Erhöhung auf 16 mg, maximal 32 mg einmal täglich. Bei Herzinsuffizienz Beginn mit 4 mg einmal täglich, schrittweise Verdopplung in Abständen von mindestens 2 Wochen bis zur Zieldosis von 32 mg einmal täglich (bzw. höchster verträglicher Dosis). Quelle: Fachinformation Candesartan-ratiopharm Tabletten (SmPC), Stand Dezember 2024, Version 4.
Anwendungshinweise
Einmal täglich mit oder ohne Nahrung einnehmen; die Bioverfügbarkeit von Candesartan wird durch Nahrung nicht beeinflusst.
Aufbewahrung
Genaue Lagerungshinweise sind der Fachinformation bzw. Packungsbeilage des jeweiligen Präparats zu entnehmen.
Mögliche Nebenwirkungen
Nicht jeder erlebt diese Nebenwirkungen. Bei anhaltenden Symptomen konsultieren Sie Ihren Arzt.
- Häufig: Schwindel, Kopfschmerzen
- Häufig: Atemwegsinfekte
- Häufig: Blutdruckabfall (Hypotonie)
- Häufig: erhöhter Kaliumspiegel (Hyperkaliämie)
- Häufig: Nierenfunktionsstörungen
- Selten/gelegentlich: Angioödem (auch intestinale Angioödeme mit Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall)
- Selten: Blutbildveränderungen, Hautausschlag, Hepatitis, Hyponatriämie
- Bei Kindern zusätzlich häufiger: Halsschmerzen, Schnupfen, Fieber, beschleunigter Herzschlag
Wechselwirkungen
Dieses Medikament kann mit folgenden Substanzen interagieren
Gegenanzeigen
Verwenden Sie dieses Medikament nicht, wenn Sie eine der folgenden Erkrankungen haben
- ✕Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile
- ✕Zweites und drittes Schwangerschaftstrimester
- ✕Schwere Einschränkung der Leberfunktion und/oder Cholestase
- ✕Kinder unter 1 Jahr
- ✕Gleichzeitige Anwendung von Aliskiren-haltigen Arzneimitteln bei Patienten mit Diabetes mellitus oder eingeschränkter Nierenfunktion (GFR < 60 ml/min/1,73 m²)
Schwangerschaftskategorie
Im zweiten und dritten Schwangerschaftstrimester kontraindiziert – gesichertes fetotoxisches Risiko (Fachinformation Candesartan-ratiopharm, Abschnitt 4.6). Nach Embryotox (Charité) wird eine Anwendung von Sartanen wie Candesartan bereits im ersten Trimester nicht empfohlen; Daten aus rund 400 Schwangerschaften zeigten zwar kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko oder spezifisches Fehlbildungsmuster, jedoch besteht ab dem 2. Trimenon (v. a. nach der 20. SSW) ein Fetopathie-Risiko bei bis zu 30 % der exponierten Schwangerschaften (Oligohydramnion, Nierenfunktionsstörung, Gliedmaßenkontrakturen, im Extremfall Fruchttod/neonataler Tod); Symptome können sich nach Absetzen teilweise zurückbilden. Bei Kinderwunsch oder festgestellter Schwangerschaft sollte unverzüglich auf eine besser geeignete Antihypertensiva-Therapie umgestellt werden (z. B. Methyldopa, Metoprolol, Nifedipin). In der Stillzeit ist die Datenlage unzureichend – alternative, besser untersuchte Antihypertensiva werden bevorzugt. Quelle: Fachinformation Candesartan-ratiopharm (Abschnitt 4.6), embryotox.de.
Kurzinformation
Handelsnamen
Wirkstoffe
Verfügbare Formen
Kategorie
Häufig gestellte Fragen
Quellen
- 1Fachinformation Candesartan-ratiopharm Tabletten (SmPC), Stand Dezember 2024, Version 4 www.ratiopharm.de/assets/products/de/label/Candesartan-ratiopharm%20Tabletten%20-%204.pdf
- 2Gelbe Liste: Candesartan (Wirkstoff) www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Candesartan_26997
- 3Embryotox, Charité – Universitätsmedizin Berlin: Candesartan www.embryotox.de/arzneimittel/details/ansicht/medikament/candesartan
Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken und sollten nicht als Ersatz für professionelle medizinische Beratung verwendet werden. Konsultieren Sie immer Ihren Arzt oder Apotheker, bevor Sie Medikamente einnehmen.