Pflanzlich

    Johanniskraut (Hypericum perforatum)

    Wirkstoff: Johanniskraut-Trockenextrakt (Hypericum perforatum L., herba)

    Johanniskraut ist ein pflanzliches Arzneimittel aus Hypericum perforatum. Standardisierte Trockenextrakte werden bei leichten bis mittelschweren depressiven Episoden angewendet. Wegen einer ausgeprägten Enzyminduktion (CYP3A4) hat Johanniskraut zahlreiche, teils schwerwiegende Wechselwirkungen.

    Wichtige Warnhinweise

    • Nicht zur Selbstbehandlung schwerer Depressionen geeignet – bei schweren depressiven Episoden kontraindiziert; anhaltende oder sich verschlechternde Beschwerden ärztlich abklären
    • Intensive UV-Bestrahlung (Sonne, Solarium) während der Anwendung meiden (Photosensibilisierung)
    • Johanniskraut kann die Wirkung zahlreicher anderer Arzneimittel abschwächen – vor jeder neuen Verordnung oder rezeptfreien Einnahme Arzt/Apotheker über die Johanniskraut-Einnahme informieren
    • Bei Kombination mit anderen Antidepressiva (SSRI/SNRI, Triptane) Gefahr eines Serotonin-Syndroms – nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung
    • Auch das eigenmächtige Absetzen kann Wechselwirkungen auslösen: nach Absetzen können Spiegel und Wirkung von Cumarin-Antikoagulanzien wieder ansteigen (Blutungsrisiko)

    Anwendungsgebiete & Nutzen

    Wofür dieses Medikament häufig eingesetzt wird

    • Leichte bis mittelschwere depressive Episoden
    • Vorübergehende depressive Verstimmungen

    Dosierung & Anwendung

    Typische Dosierung

    Erwachsene: standardisierter Johanniskraut-Trockenextrakt 600–900 mg pro Tag in 1–2 Einzelgaben. Der Wirkeintritt erfordert mindestens 2–4 Wochen kontinuierlicher Einnahme. Quelle: Gelbe Liste (Wirkstoff Johanniskraut). Anwendung und Dosis der jeweiligen Fachinformation entnehmen; bei fehlender Besserung ärztlichen Rat einholen.

    Anwendungshinweise

    Zum Einnehmen mit ausreichend Flüssigkeit, regelmäßig über mehrere Wochen. Da die Wirkung erst nach 2–4 Wochen einsetzt, nicht vorzeitig abbrechen. Vor Beginn und vor jeder zusätzlichen Medikation Arzt oder Apotheker über die Johanniskraut-Einnahme informieren.

    Aufbewahrung

    In der Originalverpackung, vor Licht und Feuchtigkeit geschützt und außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren. Herstellerangaben auf der Packung beachten.

    Mögliche Nebenwirkungen

    Nicht jeder erlebt diese Nebenwirkungen. Bei anhaltenden Symptomen konsultieren Sie Ihren Arzt.

    • Photosensibilisierung: vor allem bei hellhäutigen Personen erhöhte Empfindlichkeit der Haut gegenüber UV-Licht mit sonnenbrandähnlichen Reaktionen
    • Allergische Hautausschläge
    • Magen-Darm-Beschwerden
    • Müdigkeit oder Unruhe

    Wechselwirkungen

    Dieses Medikament kann mit folgenden Substanzen interagieren

    Mechanismus: Johanniskraut induziert Cytochrom-P450-Enzyme (v. a. CYP3A4, auch CYP1A2) und das Transportprotein P-Glykoprotein und beschleunigt so den Abbau vieler Arzneistoffe – deren Wirkung wird abgeschwächtHormonelle Kontrazeptiva ("Pille"): verminderte empfängnisverhütende Wirkung – Risiko von Zwischenblutungen und ungewollter SchwangerschaftImmunsuppressiva (Ciclosporin, Tacrolimus, Sirolimus): Plasmaspiegel um bis zu 70 % gesenkt – Gefahr der TransplantatabstoßungHIV-Medikamente (Indinavir, Nevirapin): Wirkspiegel sinken (z. B. Indinavir-AUC um ~57 %) – WirkverlustCumarin-Antikoagulanzien (Phenprocoumon, Warfarin): verminderte Gerinnungshemmung, schwankende INR-/Quick-Werte – Thrombose- und BlutungsrisikoZytostatika (Imatinib –32 % AUC; Irinotecan): reduzierte Wirkung – Gefährdung der KrebstherapieDigoxin: Spiegelabfall (Digoxin-AUC um ~25 % gesenkt)Theophyllin: verminderte Plasmaspiegel (CYP1A2-Induktion)Verapamil, Simvastatin, Midazolam: verminderte Wirkung (CYP3A4-Induktion)SSRI/andere serotonerge Antidepressiva und Triptane (z. B. Paroxetin, Sertralin, Trazodon): Gefahr eines lebensbedrohlichen Serotonin-SyndromsAndere photosensibilisierende Arzneimittel: verstärkte phototoxische Wirkung möglich

    Gegenanzeigen

    Verwenden Sie dieses Medikament nicht, wenn Sie eine der folgenden Erkrankungen haben

    • Bekannte Lichtüberempfindlichkeit der Haut oder Allergie gegen einen Bestandteil
    • Gleichzeitige Anwendung von Immunsuppressiva: Ciclosporin, systemisch angewendetes Tacrolimus, Sirolimus
    • Gleichzeitige Anwendung von HIV-Arzneimitteln: Protease-Hemmer (z. B. Indinavir), NNRTI (z. B. Nevirapin)
    • Gleichzeitige Anwendung von Zytostatika: Imatinib, Irinotecan (ausgenommen monoklonale Antikörper)
    • Gleichzeitige Anwendung von Cumarin-Antikoagulanzien: Phenprocoumon, Warfarin
    • Gleichzeitige Anwendung von Midazolam
    • Gleichzeitige Anwendung hormoneller Kontrazeptiva (Empfängnisverhütung)
    • Schwere depressive Episoden
    • Schwangerschaft und Stillzeit

    Schwangerschaftskategorie

    In Schwangerschaft und Stillzeit wird die Anwendung nicht empfohlen. Zu beachten ist zudem, dass Johanniskraut die Wirkung hormoneller Verhütungsmittel abschwächen und dadurch zu ungewollter Schwangerschaft führen kann (Quelle: Gelbe Liste; BfArM-Stufenplanbescheid Johanniskraut).

    Kurzinformation

    Handelsnamen

    LaifJarsinNeuroplantFelis

    Wirkstoffe

    Johanniskraut-Trockenextrakt

    Verfügbare Formen

    FilmtabletteÜberzogene TabletteKapsel

    Kategorie

    Pflanzliches AntidepressivumPhytopharmakon bei depressiven Verstimmungen

    Häufig gestellte Fragen

    Quellen

    1. 1Gelbe Liste: Johanniskraut (Wirkstoff) – Anwendung, Wirkung, Nebenwirkungen www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Johanniskraut_56420
    2. 2BfArM: Stufenplanbescheid zu Johanniskraut-haltigen Arzneimitteln (Gegenanzeigen/Warnhinweise/Wechselwirkungen), Az. 051010 www.bfarm.de/SharedDocs/Downloads/DE/Arzneimittel/Pharmakovigilanz/Risikoinformationen/RisikoBewVerf/g-l/Johanniskraut-Bescheid-051010.pdf

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    Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken und sollten nicht als Ersatz für professionelle medizinische Beratung verwendet werden. Konsultieren Sie immer Ihren Arzt oder Apotheker, bevor Sie Medikamente einnehmen.