VerschreibungspflichtigRezeptpflichtig

    Torasemid

    Wirkstoff: Torasemid

    Torasemid ist ein Schleifendiuretikum, das den Na+/K+/2Cl−-Cotransporter in der aufsteigenden Henle-Schleife blockiert und dadurch die Ausscheidung von Natrium, Kalium, Chlorid und Wasser steigert. Es wird zur Behandlung von Ödemen bei Herzinsuffizienz sowie zur Blutdrucksenkung eingesetzt.

    Wichtige Warnhinweise

    • Bei längerer Therapie ist eine regelmäßige Kontrolle des Elektrolythaushalts, insbesondere des Serum-Kaliums, erforderlich
    • Glucose, Harnsäure, Kreatinin und Blutfette sollten in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden
    • Bei latentem oder manifestem Diabetes mellitus sorgfältige Kontrolle des Kohlenhydratstoffwechsels, da ein Blutzuckeranstieg möglich ist
    • Regelmäßige Kontrolle des Blutbilds (Erythrozyten, Leukozyten, Thrombozyten)
    • Bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen können durch Torasemid ausgelöste Elektrolytverschiebungen ein möglicherweise lebensbedrohliches Risiko darstellen – regelmäßige Kontrolle der Elektrolyte
    • Bei Leberzirrhose und Aszites besondere Vorsicht, bei hepatischer Enzephalopathie in der Vorgeschichte extreme Vorsicht
    • Miktionsstörungen müssen vor Behandlungsbeginn korrigiert werden
    • Kann bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen
    • Kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigen, besonders zu Behandlungsbeginn, bei Dosiserhöhung oder in Kombination mit Alkohol

    Anwendungsgebiete & Nutzen

    Wofür dieses Medikament häufig eingesetzt wird

    • Behandlung und Vorbeugung des Wiederauftretens kardialer Ödeme/Ergüsse bei Herzinsuffizienz
    • Bluthochdruck (essentielle Hypertonie), niedrig dosiert

    Dosierung & Anwendung

    Typische Dosierung

    Erwachsene (nach ärztlicher Verordnung): Bei Bluthochdruck Beginn mit 2,5 mg einmal täglich, ggf. Erhöhung auf maximal 5 mg täglich (Dosissteigerung frühestens nach 2 Monaten). Bei kardialen Ödemen/Herzinsuffizienz Beginn mit 5 mg einmal täglich – diese Dosis stellt meist bereits die Erhaltungsdosis dar; bei unzureichender Wirkung Steigerung auf 10 mg, in schweren Fällen bis maximal 20 mg täglich. Einnahme morgens mit etwas Flüssigkeit. Quelle: Fachinformation Torasemid-ratiopharm 20 mg Tabletten (SmPC), Stand April 2022, Version 4, ergänzt durch die Hypertonie-Dosierung aus dem Gelbe-Liste-Wirkstoffprofil.

    Anwendungshinweise

    Die Tablette morgens mit etwas Flüssigkeit einnehmen, unabhängig von den Mahlzeiten. Höher dosierte Tabletten (z. B. 20 mg) sind laut Fachinformation aufgrund des hohen Wirkstoffgehalts nicht für den Behandlungsbeginn geeignet.

    Aufbewahrung

    Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren. Genaue Lagerungshinweise (z. B. Temperatur) sind der Packungsbeilage des jeweiligen Präparats zu entnehmen.

    Mögliche Nebenwirkungen

    Nicht jeder erlebt diese Nebenwirkungen. Bei anhaltenden Symptomen konsultieren Sie Ihren Arzt.

    • Häufig: Kopfschmerz, Schwindel
    • Häufig: Magen-Darm-Störungen (Appetitlosigkeit, Magenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Verstopfung), insbesondere zu Behandlungsbeginn
    • Häufig: Verstärkung einer metabolischen Alkalose, Hypokaliämie sowie Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts (z. B. Hypovolämie, Hyponatriämie)
    • Häufig: Anstieg von Leberenzymen (Gamma-GT)
    • Gelegentlich: Parästhesien, Mundtrockenheit
    • Sehr selten: Verminderung von Thrombozyten, Erythrozyten und/oder Leukozyten
    • Sehr selten: allergische Reaktionen, Tinnitus, Hörverlust, Pankreatitis, thromboembolische Komplikationen, schwere Hautreaktionen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse)
    • Nicht bekannt: zerebrale Ischämie, Verwirrtheit

    Wechselwirkungen

    Dieses Medikament kann mit folgenden Substanzen interagieren

    Verstärkt die Wirkung anderer blutdrucksenkender Arzneimittel, insbesondere ACE-Hemmer – Risiko für übermäßigen Blutdruckabfall und ACE-Hemmer-bedingte NiereninsuffizienzDigitalisglykoside: durch Torasemid-bedingten Kaliummangel verstärkte und häufigere Digitalis-NebenwirkungenKann die Wirkung von Antidiabetika vermindernProbenecid und nichtsteroidale Antiphlogistika (z. B. Indometacin, Acetylsalicylsäure) können die diuretische und blutdrucksenkende Wirkung von Torasemid abschwächen; erhöhtes Risiko für NSAR-induziertes NierenversagenHochdosierte Salicylattherapie: verstärkte zentralnervöse Toxizität der Salicylate durch Torasemid, erhöhtes Risiko für GichtattackenVerstärkung oto- und nephrotoxischer Wirkungen von Aminoglykosid-Antibiotika, zytostatischen Platinderivaten und CephalosporinenKann die Wirkung von Theophyllin sowie curareartigen Muskelrelaxantien beeinflussenLaxanzien sowie Mineralo- und Glucocorticoide können den Torasemid-bedingten Kaliumverlust verstärkenLithium: Anstieg der Lithium-Serumkonzentration mit verstärkten Wirkungen und NebenwirkungenKann die gefäßverengende Wirkung von Katecholaminen (Adrenalin, Noradrenalin) vermindernColestyramin kann die Resorption von oral eingenommenem Torasemid vermindern

    Gegenanzeigen

    Verwenden Sie dieses Medikament nicht, wenn Sie eine der folgenden Erkrankungen haben

    • Überempfindlichkeit gegen Torasemid, Sulfonylharnstoffe oder sonstige Bestandteile
    • Nierenversagen mit Anurie
    • Coma hepaticum bis zur Besserung dieses Zustands
    • Hypotonie
    • Hypovolämie
    • Hyponatriämie
    • Hypokaliämie
    • Erhebliche Miktionsstörungen (z. B. aufgrund von Prostatahypertrophie)
    • Stillzeit
    • Gicht
    • Kardiale Arrhythmien (z. B. SA-Block, AV-Block II. oder III. Grades)
    • Gleichzeitige Aminoglykosid- oder Cephalosporintherapie
    • Niereninsuffizienz aufgrund nephrotoxischer Substanzen

    Schwangerschaftskategorie

    Laut Fachinformation liegen keine ausreichenden klinischen Erfahrungen zur Wirkung von Torasemid auf den menschlichen Embryo oder Fötus vor; tierexperimentelle Studien zeigten Reproduktionstoxizität, Torasemid war im Tierversuch plazentagängig. Torasemid darf während der Schwangerschaft nur bei zwingender Indikation und in der niedrigsten wirksamen Dosis angewendet werden – Diuretika eignen sich nicht für die routinemäßige Behandlung von Hypertonie oder Ödemen in der Schwangerschaft, da sie die Plazentaperfusion und damit das intrauterine Wachstum beeinträchtigen können. Ist die Anwendung bei Herz- oder Niereninsuffizienz der Schwangeren dennoch nötig, müssen Elektrolyte, Hämatokrit und fetales Wachstum engmaschig überwacht werden. In der Stillzeit ist Torasemid laut Fachinformation kontraindiziert (unzureichende Daten zum Übergang in die Muttermilch; Schleifendiuretika können zudem die Milchbildung verringern). Hinweis: Embryotox.de führt keine eigene Monografie zu Torasemid; das besser untersuchte Schleifendiuretikum Furosemid wird dort grau eingestuft (widersprüchliche/unzureichende Studienlage, im 2./3. Trimenon laut Fallberichten meist gut verträglich, cave reversibles Oligohydramnion) – als Klasseneffekt der Schleifendiuretika orientierend, aber nicht Torasemid-spezifisch validiert. Quelle: Fachinformation Torasemid-ratiopharm (Abschnitt 4.6), embryotox.de (Furosemid als Vergleichssubstanz).

    Kurzinformation

    Handelsnamen

    ToremUnatTorasemid-ratiopharmTorasemid-1 A Pharma

    Wirkstoffe

    Torasemid

    Verfügbare Formen

    TabletteInjektionslösungInfusionslösung

    Kategorie

    Diuretikum (Entwässerungsmittel)Schleifendiuretikum

    Häufig gestellte Fragen

    Quellen

    1. 1Fachinformation Torasemid-ratiopharm 20 mg Tabletten (SmPC), Stand April 2022, Version 4 www.ratiopharm.de/assets/products/de/label/Torasemid-ratiopharm%2020%20mg%20Tabletten%20-%204.pdf
    2. 2Gelbe Liste: Torasemid (Wirkstoff) www.gelbe-liste.de/wirkstoffe/Torasemid_18814
    3. 3Embryotox, Charité – Universitätsmedizin Berlin: Furosemid (vergleichbares, besser untersuchtes Schleifendiuretikum; Embryotox führt keine eigene Torasemid-Monografie) www.embryotox.de/arzneimittel/details/ansicht/medikament/furosemid/

    Medizinischer Hinweis: Diese Informationen dienen nur zu Bildungszwecken und sollten nicht als Ersatz für professionelle medizinische Beratung verwendet werden. Konsultieren Sie immer Ihren Arzt oder Apotheker, bevor Sie Medikamente einnehmen.