ErkrankungenICD-10: M10Mittelschwer

    Gicht

    Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich durch einen erhöhten Harnsäurespiegel Kristalle in den Gelenken ablagern und schmerzhafte Entzündungen auslösen.

    Gicht

    Was ist Gicht?

    Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich Gelenke entzünden. Ursache sind winzige, nadelförmige Harnsäurekristalle, die sich bei dauerhaft erhöhtem Harnsäurespiegel in den Gelenken ablagern und dort Entzündungen auslösen.

    Wie häufig ist Gicht?

    Gicht ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung (Arthritis) in Industrieländern wie Deutschland. Schätzungen zufolge sind 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung betroffen. Männer erkranken etwa fünfmal häufiger als Frauen, meist ab dem 40. Lebensjahr; Frauen vor allem nach den Wechseljahren.

    Wie entsteht ein Gichtanfall?

    Harnsäure entsteht beim Abbau von Purinen. Normalerweise wird ein Teil davon über den Urin ausgeschieden. Können die Nieren nicht genügend Harnsäure ausscheiden, steigt der Spiegel im Blut, und es bilden sich Kristalle in den Gelenken – ein akuter Gichtanfall ist die Folge.

    Symptome

    • Plötzlicher, meist nachts oder frühmorgens beginnender Gichtanfall
    • Starke Schmerzen in einem Gelenk, oft ist schon die Berührung durch die Bettdecke kaum erträglich
    • Schwellung, Rötung und Überwärmung des Gelenks
    • Höhepunkt der Beschwerden nach etwa 6 bis 12 Stunden
    • Am häufigsten betroffen: das Grundgelenk der großen Zehe (Podagra)
    • Auch Sprunggelenk, Mittelfuß, Hand-, Finger-, Knie- oder Ellenbogengelenke können betroffen sein

    Ursachen

    • Dauerhaft erhöhter Harnsäurespiegel im Blut
    • Unzureichende Ausscheidung von Harnsäure über die Nieren
    • Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken

    Risikofaktoren

    • Purinreiche Ernährung mit viel Fleisch, Fisch und Meeresfrüchten
    • Alkohol, insbesondere Bier und Spirituosen
    • Zuckergesüßte Getränke
    • Übergewicht
    • Bestimmte Medikamente, zum Beispiel harntreibende Mittel (Diuretika), ASS, Immunsuppressiva, Levodopa oder Krebsmedikamente

    Diagnose

    Ein akuter Gichtanfall mit schmerzhafter, geröteter Schwellung am Grundgelenk der großen Zehe ist bereits ein deutlicher Hinweis. Eindeutig nachgewiesen wird Gicht durch eine Gelenkpunktion, bei der die Harnsäurekristalle unter dem Mikroskop sichtbar werden. Von einem erhöhten Harnsäurewert spricht man bei einem Wert von 6,8 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) oder mehr.

    Behandlung

    • Akuter Anfall: entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR wie Ibuprofen, Indometacin oder Naproxen)
    • Alternativ Kortison-Präparate (zum Beispiel Prednisolon) oder – seltener – Colchicin
    • Kühlung des betroffenen Gelenks kann die Beschwerden lindern
    • Langfristig eine Umstellung der Ernährung
    • Bei häufigen Anfällen oder Komplikationen harnsäuresenkende Medikamente wie Allopurinol

    Vorbeugung

    • Weniger Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte essen
    • Alkohol – vor allem Bier und Spirituosen – reduzieren
    • Auf zuckergesüßte Getränke verzichten
    • Übergewicht abbauen

    Wann zum Arzt?

    Bei einem ersten akuten Gelenkanfall mit starken Schmerzen, Schwellung und Rötung sollten Sie ärztlichen Rat einholen, um die Ursache abzuklären und den Anfall gezielt zu behandeln. Bleibt eine Gicht über Jahre unbehandelt, drohen bleibende Gelenkschäden, Knotenbildungen (Tophi) und Nierensteine.

    Quellen

    1. 1Bundesministerium für Gesundheit / IQWiG: Gicht, gesund.bund.de. gesund.bund.de/gicht
    2. 2IQWiG: Gicht, gesundheitsinformation.de. www.gesundheitsinformation.de/gicht.html
    3. 3BfArM: ICD-10-GM Version 2026, Code M10 – Gicht.

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